Pimp my Caravan - „Eifelland 350 HK“

Renovierung und Umbau unseres neuen Wohnwagens

Es ist ein kalter und nasser Morgen Ende September 2013, 6:30 Uhr. Ich stehe früh auf, denn nach langer Suche im Internet scheint nun endlich ein geeigneter Wohnwagen zum Kauf angeboten. Den Kauf eines Dethleffs Campy (zu teuer) und eines Avento Royal 350 Bj 1992 (zu alt) haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits weitestgehend verworfen.

Heute möchte ich also einen „Eifelland 350HK“ in Augenschein nehmen. Er ist Bj. 2002 und sieht auf den Bildern aus „wie neu“. Zudem hat er ein schönes, modernes Innendesign. Die neueste Generation der Gerätetechnik ist ebenfalls schon verbaut. Entscheidend ist jedoch: Er hat ein Klappbett über der Sitzgruppe und bietet somit Platz für alle drei Personen unsere Kleinfamilie. Möglichst geringe Abmessungen und max. 1100Kg Gesamtgewicht waren ohnehin schon gesetzte Anforderungen.


Abbildung 1: Milchglas Dachfenster

Nach 2 Stunden Anfahrt bin ich kurz nach 8:30 Uhr unweit der Luxemburger Grenze am Ziel. Die Bilder haben nicht zuviel versprochen. Das Klappbett ist zwar ausgebaut und die primitiven Dachfenster mit Milchglas-Einsatz müssen unbedingt ersetzt werden, aber sonst habe ich auf den ersten Blick nichts zu beanstanden.

Ich schlage also zu und kaufe das gute Stück. Der Händler ist mit meinem ambitionierten Preisangebot sofort einverstanden und übernimmt auch TÜV, Gasprüfung und 100Km/h Gutachten inklusive neuer Reifen. Ich bin etwas irritiert; noch mehr als herauskommt, dass das Fahrzeug einen Belgischen Brief hat. Voller Sorge schaue nach meiner Rückkehr noch einmal im Internet nach Vergleichspreisen und google nach möglichen Zulassungsproblemen ausländischer Wohnwagen. Aber alles scheint ok und nach einem Besuch bei der Zulassungsstelle bin ich vollständig überzeugt, einen guten Kauf gemacht zu haben. Die Zulassung war ohne jegliche Probleme und ich erhalte Nummernschild und 100er Aufkleber.

Die Abholung ist für Samstag übernächster Woche vereinbart und so nehmen ich - gemeinsam mit Frau und Sohn - an einem wunderschönen, goldenen Oktobertag unser neues Feriendomizil in Besitz. Die Heimfahrt ist problemlos und unser kleiner Sohn strahlt vor Begeisterung und Stolz über „unseren Anhänger“.

Bestandsaufnahme

Noch am selben Abend starte ich eine erste gründliche Bestandsaufnahme und mache erste Ausbaupläne:

Der Einbau des Klappbetts ist wesentlich schwieriger als gedacht - es fehlen Teile und Schrauben und die vorhanden Schrauben greifen auch nicht richtig, da hinter der MDF Beplankung kein Konterholz ist.

Zudem ist lediglich ein Notlicht und die Lampe im Bad am 12V Netz. Im Rest des Wohnwagens nur 220 V.


Abbildung 2: Sitzgruppe in grün/blau mit Eschemöbel

Irgendwie will das Farbdesign der „Wohnwelt“ meiner Frau auch nicht wirklich gefallen. Ich finde es nicht so schlecht, die dunkelgrünen Vorhänge müssen aber auf jeden Fall raus und etwas hellerem weichen. Überhaupt will das sonnige, fröhliche „Strand“-Außendesign nicht so recht zum eher gutbürgerliche eleganten Innendesign passen. Den Austausch der kompletten Wohnwelt werden wir allerdings später doch nicht weiter verfolgen, da es preislich einfach nicht im Verhältnis zum Kaufpreis steht.

Ein ähnlich unverständlicher Design-Missgriff ist auch der hartweiß-gräuliche PVC Boden, der farblich so gar nicht mit der beigefarbenen Resopaloberflächen harmonieren will. Auch hier lassen wir unsere Pläne das Resopal auszutauschen, später zugunsten eines neuen, lose aufgelegten Teppichs fallen.


Abbildung 3: Wasserhahn Küche

In der Sitzbank finden wir ein Vorzelt und im Gaskasten noch jede Menge Zubehör vom selbst gebauten Wäscheständer bis zur Waage für die Stützlast. Sogar eine ALKO Diebstahlsicherung ist vorhanden.

Wassertank, Pumpe und Zuleitungen sind in einem sauberen Zustand. Der Optik wegen, wollen wir aber den weißen Wasserhahn im Küchenwaschbecken gegen einen neuen chromfarbenen tauschen. Die Frage, warum trotz 25L Tank das WC einen eigenen Wassertank hat, beleibt zunächst offen.

Den einzige Mangel den wir - abgesehen von einigen kleinen Schrammen und Dellen im Außenblech - finden können ist das Kunststofffurnier, das sich an einigen Stellen vom Holz der Möbel löst. Mit dem Bügeleisen lässt sich vieles davon jedoch leicht ausbessern. Leider ist der Heißkleber aber an manchen Stellen nicht mehr ausreichend vorhanden und löst sich nach kurzer Zeit wieder ab. Ein wenig fein gemahlener Kleber aus der Heißklebepistole hilft zumindest das Schlimmste zu beseitigen. Mit dem „Rest“ wollen wir leben.

Ausbauplanung

Neben den Verschönerungen und Ausbesserungen am Bestehenden, wollen wir den neuen Wohnwagen natürlich nach unseren Bedürfnissen optimieren. Bei einem Testurlaub mit einem geliehenen Caravan haben wir schon viele Erkenntnisse gewonnen und so gibt es mehrere „Sonderwünsche“, die wir ebenfalls umsetzen wollen. Hierzu zählt vor allem ein Autark-Ausbau für Strom und Wasser; denn was nützt der schöne Wohnwagen, wenn man z.B. statt auf einem simplen Rastplatz doch wieder an den teuren und überfüllten Raststätten halten muss, da ohne Strom weder Licht , noch Wasser oder WC funktionieren und ohne Abwassertank man sich nicht einmal die Hände waschen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

Zudem wollen wir nicht jeden Morgen und Abend die Sitzgruppe aufwendig umbauen müssen. Hier erinnern wir uns an das geniale Raumkonzept des Campy und teilen den Platz der großen Sitzgruppe in 2/3 Bett und 1/3 Sitzgelegenheit mit Halbtisch. Essen wollen wir ohnehin lieber Draußen und wenn das Wetter es gar nicht zulässt, dann können wir immer noch umbauen. Die Sitzkissen für das Bett können wir dafür weiterverwenden. Lediglich die Kissen für die Sitzgelegenheit müssen wir inkl. Bezüge neu anfertigen.


Durch das „feste“ Bett kommt man allerdings nicht mehr so leicht an die Staukästen heran und so wollen wir im Kleiderschrank Zwischenböden einbauen, um dort mehr Kleider unterbringen zu können. Zum Aufhängen haben wir im Urlaub ohnehin nichts dabei.

Das Hochbett braucht noch eine Kindersicherung und den Raum zwischen Hochbett und Oberschrank wollen wir mit einem Zeitungshalter besser nutzen.

Somit steht die Liste der notwendigen Arbeiten:


Abbildung 5: Kindersicherung


Abbildung 4: Kleiderschrank mit Einlegenböden


Abbildung 6: Zeitungshalter

Hochbett und Kindersicherung einbauen

Umbau Sitzgruppe inkl. Bau des neuen Halbtisch

Sitzkissen für Sitzgelegenheit anfertigen

Zeitungshalter anbringen

Neuer Teppich einlegen

Schrankfächer einbauen

12V LED Beleuchtung einbauen

Neuer Wasserhahn incl. vorherige Reinigung von Tank und Leitungen

Abwassertank einbauen

12V Batterie inkl. Ladegerät einbauen

Heki austauschen


Die Ausführung

Für die Kindersicherung kommt mir die geniale Idee, die vorhandene Holzleiter mit einem abnehmbaren Scharnier quer vor dem Bett zu befestigen.


Abbildung 7: Abwassertank

Der Zeitungshalter ist schnell aus eine lackierten Holzleiste und zwei Holzwürfeln zusammengebaut. Die lackierte Holzleiste ist dabei ein Abfallstück vom Bau den Halbtischs, den ich aus einer 22mm starken, vanillefarben beschichteten Holzplatte, 23mm Aluprofilen und einem Klappfuß zusammenbaue.

Auch für den Abwassertank nutze ich einfache Teile aus dem Baumarkt. Es kostet mich allerdings einige schlaflose Nächte bis ich eine geeignete Befestigungsmöglichkeit am Chassis finde.

Etwas komplizierter wird der Einbau der LED Beleuchtung. Ein 5m LED-Strip für das Unter- und Oberlicht ist über Ebay schnell bestellt, dazu LED Ersatz-Einsätze für die drei 10W G4 Halogen-Kolben im Bad. Einen vierten LED Einsatz nutze ich um ihn mit einem Sockel in die Außenleuchte einzubauen. Zudem bestelle ich eine 12Ah Bleivlies Batterie, ein 3,8 A Ladegerät, eine kombinierte Spannungs- und Stromanzeige, 5m Ölflex Leitung sowie diverse Sicherungen, Schalter und sonstige Kleinteile. Die Batteriehalterung baue ich wieder selbst aus einfachen Teilen aus dem Baumarkt.



Als letztes sollen die alten Dachfenster durch moderne Mini Heki’s ersetzt werden. Zum Glück sind die Ausschnitte halbwegs passend, sodass die Fenster „nur“ ausgetauscht werden müssen. Nach langem Hin und Her entscheide ich mich den Austausch selbst zu machen. Angesichts der Tatsache, dass ich dies noch nie zuvor gemacht habe ist das mutig, aber letztlich geht der Austausch dann doch vollkommen problemlos über die Bühne.


Abbildung 8: Neues Mini Heki

Abbildung 9: Teppich

Am Ende fehlt nur noch der neue Teppich, den ich mit viel Geduld und nach vorherig angefertigter Papiervorlage ausschneide. Meine Frau wäscht zwischenzeitlich die alten Sitzbezüge durch und schon kann es losgehen zu unserer ersten Testfahrt...

...Beim Beladen klärt sich dann auch der Sinn es seperaten Wassertanks im WC. Er dient als Gegengewicht zu den Massen im Gaskasten und den Staukästen, die leider selbst bei leerem Wassertank schnell für eine massive Kopflastigkeit sorgen.


Webmaster: Michael Haug, Uzesring 67, 69198 Schriesheim, Mailto: webmaster(at)fastatremote.de